Meerschweinchen ... die können doch nix ...oder???
Meerschweinchen ... die müssen doch geknuddelt werden und in Käfigen gehalten ...oder ???
Vor der Anschaffung sollte man wissen, dass Schweizer Teddys ...
... ausgegelichener und etwas größer sind als viele andere Meerschweinchen. Wie ein Fels in der Brandung bleiben sie gelassen und friedlich. Natürlich gibt es auch Ausnahmen!
... vergleichsweise viel und gerne fressen! - Futter gut dosieren & nur ein mal wöchentlich etwas Obst dabei! Regelmäßiges Wiegen in einer Schüssel auf der Küchenwaage ist unerlässlich zum Gegensteuern (Normalgewicht erwachsenes Tier ♀ 1000 - ♂ 1800)
... im 1.Lebensjahr mehrere Fellwechsel durchmachen: Fell am Po wächst, während Fell an der Schulter ausdünnt. Zeitweise "gerupfte" Stellen sind möglich, ehe alles wieder gleichmäßiger nachwächst! - Tipp: Rosen-Hydrolat aufsprühen hilft bei Juckreiz!
... trotz kuscheligem Aussehen nicht unbedingt hochgenommen und gestreichelt werden wollen! - Vertrauen braucht "Geeeeeduuuuuld" und jedes Tier mag unterschiedlich viel Nähe zum Menschen!
Haltung
Jedes Meeris soll 0,5 - 1 m² Rennfläche für sich beanspruchen können, was bei Käfighaltung meist unmöglich ist. (Gehege-Größen-Rechner unten) Je nach Charakter wird dies ausgiebig genutzt. Einstreu, Nagerteppich, drinnen, draußen?
Meerschweinchen können in unseren Breitengraden ganzjährig draußen gehalten werden. Sie vertragen Kälte besser als Hitze.
Bei Temperturen über 25 Grad sollten Schattenplätze mit Häusern, Sand, Wasserschalen zum Abkühlen der Füße, kalte Fliesen oder Ähnliches bereit stehen. Wenn es möglich ist, rennen und hüpfen diese Tiere gern gemeinsam auf der Wiese herum und scheuen weder Nieselregen noch Schnee.
Jedoch sollte man indoor gehaltene Meeri`s nicht abrupt in den kalten Wind draußen bringen und auch Outdoor-Schweinchen im Winter nicht ins kuschelige Wohnzimmer holen. Diese Temperaturwechsel bedürfen einer langsamen Anpassung, damit die Tiere keinen Schnupfen oder eine Lungenentzündung bekommen.
Deshalb sollte der Umzug nach draußen im Frühjahr oder Herbst stattfinden. Im Winter brauchen die Meeri`s geeignete Schutzhütten, die isoliert und mit wärmendem Stroh gefüllt sind. Es sollten sich dort mindestens drei, bessere mehr Tiere zusammen kuscheln können und es helfen Snuggle-Safe-Heizkissen unter Schlafplätzen. Auch darf das Futter und Wasser nicht einfrieren und der Stall sollte möglichst trocken gehalten werden um Staunässe zu vermeiden.
Meeri`s raus oder rein?
INDOOR in Freigehegen mit Songmics®-Steckplatten oder Holzbauten :
+ enger Kontakt zum zahmen Meeri macht Spaß
+ Putzen ist nebenbei möglich; spart Jacke & Mütze & den Weg zum Stall
- Geräuschekulisse mit "Meeri-Konferenzen", Gerenne morgendlich joggender Meeri`s, lautstarkes Betteln um Futter
- vorhandene Gerüche nach Heu u.ä. & Tierhaare drinnen ist nicht geeignet für Allergiker
OUTDOOR im tageslichthellen Kaltstall z.B. Gartenhaus / Garage / Kellerraum / Freilauf:
+ Schutz vor Witterung/ Raubtieren für Meeri`s
+ Meeris und Menschen haben je nach Bedarf Ruhe vor einander
- Schutz vor Hitze / Kälte und Raubtieren wie Fuchs & Marder von allen Seiten ist nötig
- weniger Kontakt mit dem Menschen als indoor, aber man wird freudigst begrüßt
Beliebte Häuschen und Co
+ (Weide-)Brücken ... super Aussichtspatz für neugierige Meerschweinchen, aber ungeeignet für Babys, da sie mit den Füßchen in den Hölzchen stecken bleiben können
+ Hängematten ... gern auch gleich zu 5t genutzt von Mamas mit Babys
+ Unterstände ... bieten "gefühlten" Schutz vor Fressfeinden von oben
+ günstige Variante: größere Pappkartons vom letzten Einkauf (mind. zwei Ausgänge!)
+ Kräuterrollen ... mit Wiesenkräutern bestückte Verstecke werden gern genutzt
- ungeeignet: zu kleine Häuschen / solche mit nur einem Ausgang, da Streit entsteht
Einstreu, Nagerteppich oder was?
...Einstreu:
+ prima zum Buddeln und Einkuscheln und auch für Kaltstallhaltung geeignet
+ verschiedenste Möglichkeiten z.B. Leinenstroh, Hobelspäne, Kokoseinstreu
- Einstreu kann bei langhaarigen Tieren im Fell hängen
- der Misthaufen wächst
...Nagerteppich / Hanfmatten etc.:
+ Abfegen mit Gummibesen möglich
+ sieht hübsch aus, auch bei rennenden Tieren fliegt kein Einstreu daneben
- Teilreinigung der Pipi-Stellen unter den Häuschen schlecht machbar
- kostenintensiv & letztlich auch Biomüll
...Fleece-Haltung:
+ kaum Mist und per Kochwäsche (in Bettdecke mit Reißverschluss) klinisch rein
+ viel weniger Mist als bei allen Einstreu-Varianten
- Bewegung der Tiere in Etagenbauten geräuschvoller
- zeitintensiv, da nach Gehege reinigen noch waschen, aufhängen, abhängen, wegräumen...
Fütterung
Neue Nahrung bitte immer langsam anfüttern! (PDF-Futterliste unten) - Hier ein Beispiel der täglichen, abwechslungsreichen Fütterung...
Speiseplan pro Tag pro Meeri
Faustregel für Futtermenge: Täglich ca. 10 % des Körpergewichtes.
Heu, Heu, Heu und frisches Wasser stehen immer zur Verfügung!
Bei Schweizerchen hilft der wöchentliche Gewichtscheck zur Anpassung der Fütterung, damit die Tiere nicht zu dick werden (Heu und Wasser niemals weglassen!!!). Im Frühling und Herbst und bei Anfüttern neuer Nahrungsbestandteile bitte immer langsam anfangen und über ein paar Wochen hinweg auf die gewünschte Menge steigern, damit die Tiere alles gut verdauen können. Für die notwendigen Öle / Fette kann man wöchentlich je Tier 1/2TL Sonnenblumenkerne und ebenso viel Leinsamen dem Speiseplan hinzufügen.
Das Hauptfutterangebot im Sommer ist Grünfutter wie Gras (vor allem härtete Halme wie Schneidegras), Löwenzahn, Breit-/Spitzwegerich, Giersch, Vogelmiere, Frauenmantel, Ringelblume, Schafgarbe, Gänseblümchen, Gundermann, Günsel, Huflattich, Kamille (alle Varianten), Malven u.v.m..
Im Winter wird Gemüse verfüttert z.B. Futterrüben, Möhren, Sellerie, Fenchel, Gurke, Paprika, Brokkoli & Blumenkohl in Maßen, Kohlrabiblätter, Radieschenblätter, Endivie, Rucola, Grüner Salat etc.. Jedoch sollten Meerschweinchen im Gegensatz zu Hasen nicht mit Kartoffeln gefüttert werden, da diese zu viel Stärke enthalten.
Trockenfutter ja oder nein ?
Da ich als Züchterin viele Mäuler versorgen muss und die Tiere im Winter bei Kaltstallhaltung auch alle nötigen Nährstoffe erhalten sollen, bestelle ich bei Cavialand zu dem bisher dargestellten Frischfutterangebot noch getrocknetes Gemüse, Ackerbohnen, Hagebutten, Tompinambur- & Wiesengraspellets etc. dazu. Ein paar Tage wöchentlich wird damit pausiert, damit die Meeri`s Heu fressen und ihre Zähne gründlich abschleifen. Das beugt einer Brückenbildung der Zähne vor.
Wer seiner Liebhaber-Meeri-Gruppe unbedingt Trockenfutter geben möchte, dem kann ich die "Cavialand-Gourmet-Grainfree"-Mischung empfehlen. Sie enthält alles Notwendige und verzichtet auf Getreide und Zusätze, die nicht auf den Speiseplan von Meerscheinchen gehören. Link zum Cavialand: https://cavialand.de/de/getreidefreies-fuettern/
Praktische Tipps
ZAHNABRIEB: Äste von Weide, Hasel-/ Johannisbeerstrauch oder Apfelbaum halten die Zähne gesund. Diese Äste können im Herbst geschnitten und im Keller / Garage getrocknet aufgehängt werden, so steht alles auch im Winter zur Verfügung.
BEIM GRASFÜTTERN: Es sollten Wiesen mit Wildhasen in der Nähe vermieden oder regelmäßig Kotproben aus den Meeri-Gehegen beim Tierarzt auf Kokzidien getestet werden. Das kostet wenig und bewahrt die Meeri`s vor einer tötlichen Kokzidose.
KRÄUTERN & BLÜTEN: Diese können gut frisch verfüttert werden z.B. Petersilie, Liebstöckel, Dill, Lavendel (desinfizierend), Melisse (beruhigend), Echinaceabüten (gegen Erkältungen), Kornblumen, Ringelblumen. Jedoch sollte man sparsam mit getrockneten Kräutern umgehen, da der hohe Calizumgehalt zu Nierenproblemen führen kann. Bleiben weiße Stellen auf Pipi-Pads nach dem Urinabsetzen zurück, ist zuviel verfüttert worden.
Napf, Heuraufe und Wasserangebot
+ Heuhäuser ... von allen Seiten kann gefuttert werden
+ Heusäcke (gehäkelt) ... gern als Schlafplatz von den Babys genutzt
+ Futter in einer großen Schale statt in kleinem Napf anbieten (hilft gegen Futterneid)
+ Wasser in Nippeltränke oder in Wassernapf ... bitte täglich reinigen und neu befüllen
- ungeeignet: Metallheuraufen in Sprunghöhe oder solche mit Deckel, da sich die Tiere beim Sprung hinein verletzten können
- Heu einfach in Haufen auf den Boden legen sollte vermieden werden, da die Tiere dann nach kurzer Zeit nur noch ungenießbares, feuchtes Heu mit Köddeln drin vorfinden
Pflege und Gesundheit
Beim Füttern lässt sich täglich beobachten, ob alle Tiere munter durch das Gehege wuseln. (Link unten: Meeri krank, was tun?) Wöchentlich kann kombiniert mit der Gehege-Reinigung der Gesundheits-Check jedes Tieres wie folgt erledigt werden...
Gesundheits-Check jedes Tieres
- Gesamteindruck: Sieht das Meeri gesund / munter aus und wuselt wie immer herum?
- Kot normal geformt / Fell glänzend?
- Schneidezähne anschauen um kaputte / zu lange Zähne frühzeitig zu entdecken
- Krallen für gerade Fußhaltung auf dem Boden kürzen (Tipp: bei dunklen Krallen nur schneiden, solange die Rille unter dem Nagel zu fühlen ist, denn hier befindet sich kein Nerv im Nagel)
- jedes Tier auf der Küchenwaage in einer Schüssel wiegen (Tipp: Nimmt ein Tier der Gruppe mehr als 50g / Woche ab, dann den Tierarzt aufsuchen! Ist ein Tier zu dick, dann Trockenfutter reduzieren. Niemals eine echte "Diät" machen, die ist lebensbedrohlich für Meeris!)
Mein Tierarzt-Tipp in der Umgebung ist Frau Dr. Brauns in Plauen. Dort gebe ich halbjährlich und bei Neuzugang eine Kotprobe der Meerigruppe ab. Das lohnt sich, um nicht später alle Tiere gegen Kokzidose o.ä. behandeln zu müssen!
Fellpflege
Nicht kämmen, nicht bürsten und nicht waschen! Die Tiere pflegen im Normalfall ihr Fell selbst. Etwaige Fellklümpchen kann man entwirren oder vorsichtig mit der Schere entfernen. Eine erbsengroße Kokosöl-Flocke in den Händen verreiben und über das Fell streichen hat sich zur Pflege bewährt und soll vor Parasiten und Würmern schützen. Ein Leckerli hilft die Prozedur bald mit Gelassenheit zu ertragen.
Neues Meeri zieht ein? - Wer passt zu wem?
Es müsste MEHRschweinchen heißen, damit eine Gruppenhaltung gleich als Notwendigkeit verstanden wird. Geeignete Gruppenkonstellationen hier ein mal kurz erklärt... (ausführlich im Link zur Vergesellschaftung unten)
In Österreich und der Schweiz ist Einzelhaltung gesetzlich zum Schutz der Tiere verboten. Rechtliches zur Haltung findet sich auf der Seite der Meeri-Nothilfe Hamburg.
In einer Meeri-Gruppe herrscht keine Demokratie. Üblicherweise ist der älteste, schwerste Mann der Chef. Kommt ein neues Meeri hinzu, muss die Rangordnung geklärt werden. Das gelingt am besten bei 1m² Platz pro Tier, mit genügend Unterschlüpfen (immer zwei Ausgänge!) und verschiedenen Heu- und Grashaufen zur Ablenkung. Lautstarkes Bromseln, gelegentliches Zähneklappern, viel Gerenne und Aufreiten mit Fresspausen über ein paar Tage hinweg ist normal. (Siehe: https://meerschweinchen-nothilfe-hamburg.de/vergesellschaftung.html)
Wer das nicht durchhält, gehe am besten aus dem Raum und schaue nur ab und zu nach dem Rechen, bis sich die Meeris geeinigt haben. Einschreiten und endgültig trennen muss man nur, wenn sich zwei Meeris in einander verbeißen und verletzen. Nimmt ein Tier mehr als 50 Gramm in einer Woche ab, spricht auch das für eine Trennung. Ansonsten ist eine Unterbrechung durch Herausnehmen nicht ratsam, denn danach beginnt die Diskussion von vorn.
Funktionierende Gruppen
- Pärchen aus (Früh-)Kastrat + Weibchen
- Chef-Kastrat + Frühkastrat(e)
- Chef-Kastrat + 2-3 Weibchen + 1 Frühkastrat
- Cheffin + jüngeres Weibchen + 1 Frühkastrat
- mehrere Frühkastrate unterschiedlichen Alters
Definitiv abzuraten
- reine Weibchengruppe
- gleichaltrige Babys ohne erwachsenes Meeri
TIPP GEGEN STREIT: Platzdarf je Tier beachten! "Chef" ist gut sozialisiert, älter als 1 Jahr bzw. älter & schwerer als gleichgeschlechtliche Artgenossen. Eine Bockgruppe mit unkastrierten Böcken gehört definitiv nur in die Hände eines erfahrenen Meeri-Halters.
Warum teuer-(Früh-)Kastrat statt billig-Bock ?
Meine Liebhaber-Jungs werden alle (früh-)kastriert. Sie können nach dem kurzen Eingriff unter Inhalationsnarkose direkt wieder zu Mama zurück zum Stillen und zur Erziehung! - Für ein Leben im bleibenden Liebhaber-Zuhause!
Ein Leihe sollte Babyböckchen mit ca. 250g Gewicht von Mutter und Schwestern trennen, da es zeugungsfähig sein kann. Babyböcke können jedoch direkt nach der Frühkastration zurück in ihre Gruppe und so von Mutter / Tanten / Geschwistern lernen und müssen nicht wie bei der normalen Kastration zwei Monate von den Weibchen separiert werden. Je länger Jungtiere in einer Gruppe mit gemischter Alterstruktur samt Chef aufwachsen, desto besser ist ihr Sozialverhalten. Zudem entfällt durch Frühkastration die beim Bock nötige Kontrolle mit evtl. nötiger Reinigung der Perinataltasche.
Auch in den "Rappelphasen" zwischen dem 4-6. und dem 9.-12. Monat sind Frühkastrate deutlich entspannter aufgrund der geringeren Hormondosis. Sie machen dem Gruppenchef / Normalkastrat seinen Rang nicht streitig und sind verträglicher gegenüber männlichen Artgenossen. Besser akzeptiert von (Normal-)Kastraten werden die Frühkastrate, weil sie nicht bocktypisch riechen. Sie erfüllen dennoch ihre "männlichen Pflichten" und somit sind die Damen der Gruppe zufrieden.
Beispielsweise hat jeder meiner Zuchtböcke seinen Frühkastrat-Kumpel immer dabei und das klappt auch während der Verpaarung mit einem Weibchen. - In Liebhabergruppen sollten allerdings mindestens zwei Weibchen vorhanden sein, um die Freundschaft zwischen (Normal-)Kastrat und Frühkastrat dauerhaft zu erhalten.
Als Züchterin muss ich auch an die Zukunft meiner Meerschweinchen denken: Meerschweinchen leben etwa 4 - 8 Jahre, manchmal auch länger. Wird die Haltung aus diversen Gründen aufgegeben oder ein Tier verstirbt, ist ein ausgewachsener Bock schlecht vermittelbar, die späte Kastration oberhalb von etwa 3 jahren risikoreich und ein passender Partner ist schwer zu finden. Auch die Vermehrung ohne Genetik-Wissen mit Folgen wie Totgeburten, Toxikose u.ä. muss verhindert werden.
- Dies alles hat mich überzeugt! Alle nicht zur Zucht gefragten Babyböcke gebe ich zur Frühkastration und die ausgewachsenen (Zuchtrentner-)Böcke im passenden Alter zur Kastration. - Für ein bleibendes Liebhaberzuhause und verträgliche Meerschweinchen!
Ausführlicher: https://www.meerschweinchen-geisenhausen.de/wissenswertes/frühkastrate/
Was ist California und Siam? - Kleiner Ausflug in die Genetik
Bei Tieren unter 4 Wochen kann ein Züchter basierend auf seiner Erfahrung eine Vorhersage treffen, aber keine California-Garantie geben. Warum lesen Sie hier...
Neben Rasse und Fellfarbe kann genetisch bedingt noch eine Zeichnung vererbt werden. Dazu zählt die California-Zeichnung, welche sich als auffällige "Maske" birnenförmig auf der Nase und in gleicher Nuance gefärbten Ohren und Füße zeigt. Als "Siam" bezeichnet man Tiere mit reinerbig (homozygot) vorliegender California-Zeichnung, welche dann zeitiger und intensiver ausgeprägt und an alle Nachkommen vererbt wird.
Auch die Babys mit California-Gen werden ohne Zeichnung geboren. Diese entwickelt sich in den ersten zwei bis sechs Wochen erst an der Haut punktuell (sogenannte "Points") und erst später färben sich deutlich sichtbar die nachwachsenden Haare ein. Stehen Babys in den ersten drei Wochen nach der Geburt auf der Abgabeseite, bezeichnet ein Züchter vorerst nur basierend auf seiner Erfahrung, ob es sich um ein "California"-Exemplar handelt. Deutlich sichtbar ist das erst mit 8 Wochen und erst im 6. Lebensmonat ist die Farbentwicklung abgeschlossen. Beispiele mit Fotos sind unten zu sehen.
Crash-Kurs Genetik - wer es ganz genau wissen will...
Bei Meerschweinchen mit California-Zeichnung sind Nasen, Ohren und Füße jeweils in einer Farbe der Schwarzreihe gefärbt. Meist in Schwarz oder Schokolade, seltener in Slate Blue, Lilac, Beige, Coffee und sehr rar in Blau.
Diese Zeichnung soll eindeutig erkennbar und nicht von anderen Farben überlagert sein. Deshalb ist das Züchten in Farb-/Weißscheckung oder gar in der schwarzen Farbreihe unsinnig. Schließlich hat ein Tier in Schokolade California Schokolade, in Schwarz California Schwarz oder mit Weißscheckung an der Nase phänotypisch gar keinen Effekt. Schöne Farbkontraste ergeben sich hingegen bei Meerschweinchen in den Farben der Rotreihe mit California-Zeichnung.
Jedes Gen hat zwei Allele für ein Merkmal. Das Gen "K" steht für California und wird wahrscheinlich inkomplett dominant vererbt. Es prägt sich somit automatisch aus, wenn eines der beiden Allele ein großes "K" ist:
kk = nicht California
Kk = erwünschtes, ausstellungstaugliches, spalterbiges California (heterozygot)
KK = reinerbiges California (Siam, homozygot)
Bei der California-Zucht ist laut den Mendel`schen Gesetzen folgendes möglich:
- Kk x kk = 50% Kk (California) & 50% kk (kein California)
- Kk x Kk = 25% KK (Siam), 50% Kk (California), 25% kk (kein California)
- KK x kk = 100% Kk (alle California)
- KK x Kk = 75% KK (Siam), 25% Kk (California)
Schön gezeichnete California`s ergeben sich bei der 1. und 3. Verpaarung. Jedoch ist Statistik nicht alles. So spiegelt ein einziger Wurf mit 1-6 Babys nicht zwingend den Durchschnitt wieder und es prägt sich nicht immer alles aus. Auch ein Siam hat nicht immer eine so starke California-Zeichnung ("Überzeichnung"), dass es augenscheinlich erkennbar ist. Erst mehrere Würfe mit Nicht-Cali-Partner und 100% Cali-Nachwuchs bezeugen ein Siam-Exemplar und macht es bei Züchtern so beliebt, obwohl das Tier zur Show nicht zugelassen ist. Ihr Fell dunkelt im Alter insgesamt etwas nach, was bei nicht reinerbigen California`s nur im Rückenbereich auftritt und völlig normal ist. Einen (grauen) "Schleier" können allerdings auch Nicht-California-Tiere ab ca. 1/2 Jahr bekommen (genaue Ursache ungeklärt).
* Anmerkung: Die Ausführungen zeigen die vom MDF-Zuchtverein anerkannte Sichtweise. Jedoch ist die Genetik beim Meerschweinchen bisher nur unzureichend erforscht. Es gibt andere Theorien, welche die California-Zeichung nicht als zusätzliches K-Gen beschreiben, sondern als Allel "CF" im C-Gen (Tyrosinase Gen).
"Ich könnte doch auch mal selber züchten..."
Über Vermehrer, Züchter und den Liebhaber-Wunsch nach Nachwuchs.
Ein jeder Meerschweinchen-Liebhaber kommt irgendwann einmal auf die Idee, doch Nachwuchs von seinem Lieblingstier haben zu wollen. Eine Verpaarung ohne Stammbaum und ohne Grundkenntnisse zu Genetik und Trächtigkeit etc. kann ziemlich daneben gehen.
Checkliste vorab:
Was weiß ich wirklich über Verpaarung, Trächtigkeit und Geburt von Meerschweinchen?
Riskiere ich, dass mein Lieblingstier bei Trächtigkeit / Wurf verletzt wird oder gar stirbt?
Habe ich genug Zeit um zu kleine oder kranke Babys zu versorgen?
Kann ich den Anblick von Blut, von verletzten oder tot geborenen Babys ertragen?
Reicht mein Finanzpolster um einen Wurf mit z.B. 5 Babyböcken kastrieren zu lassen?
Habe ich Zeit um die Vermittlung in ein schönes, neues Zuhause zu gewährleisten?
Habe ich genug Platz und Futter für den Nachwuchs, falls die Vermittlung dauert?
Wenn die Antwort auf eine dieser Fragen negativ ausfällt, sollte man es sein lassen. Das Züchterleben besteht aus Höhen und Tiefen und ist nicht immer lustig. Man braucht viel Energie und starke Nerven um das Abgeben liebgewonnener ausgewachsener Meerschweinchen und ihrer Babys, das tägliche Pflegen kranker Tiere, das Anschauen und Beerdigen von verstorbenen Babys etc. gut zu überstehen. Bilder bekommt man nicht mehr aus dem Kopf. Aus diesem Grund hören viele Züchter nach den ersten Fehlschlägen auf.
Wie wird man Züchter?
Im Selbststudium kann man sich die Grundlagen der Genetik, Gesundheit, Haltung und Fütterung anlesen. Zusätzlich können offene Fragen durch den Besuch von Seminaren oder durch Gespräche mit Züchterkollegen beantwortet werden. Der Kontakt kann durch einen Vereinsbeitritt hergestellt werden. Ein halbes Jahr Mitgliedschaft ist notwendig, um genau dort die Züchterprüfung abzulegen. Es ist gut das eigene Zuchtziel klar zu definieren: Wer nicht weiß, wohin er segelt, für den ist kein Wind der Richtige. Die Tier- und Wurfanzahl ist entsprechend der eigenen Platz- und Zeitmöglichkeit zu beschränken. Ein Tierarzt für Kleintiere in erreichbarer Nähe ist Pflicht, da dieser sowohl Routine-Checks (Kotproben etc.) als auch (Früh-)Kastrationen durchführen muss. Es werden nur Tiere mit Stammbaum verpaart um ungewollte Ergebnisse zu vermeiden. Die gesetzlich verbotenen Verpaarungen von Schimmel / Dalmatinern und Qualzuchten sind dem Züchter ebenso bekannt wie das hohe Risiko von Satin-Meerschweinchen ernsthaft zu erkranken. Werden Tiere abgegeben, sind diese klar als Zucht- oder Liebhabertiere gekennzeichnet.
Was ist im Gegensatz dazu ein "Vermehrer"?
Wenn die Haltungsbedingungen nicht gezeigt werden, es eine wilde bunte Mischung an Rassen und Farben querbeet gibt und ständig viele Jungtiere zur Abgabe stehen, dann ist man auf einen Vermehrer gestoßen. Von ihnen erhält man als neuer Halter wenig Informationen und es werden Böcke unkastriert und ohne weitere Nachfrage angeboten. Es lässt sich eben mehr mit dem 30€-Bock verdienen als mit dem 60€-Kastrat, da die Kastration je nach Tierarzt 40-70€ kostet. Das Geld steht im Vordergrund vor der guten Vermittlung gesunder Tiere.